Fachpraktiker für Bürokommunikation (Reha-Beruf)

fls-burokommunikation

Fachpraktikerin/Fachpraktiker für Bürokommunikation

Die dreijährige Berufsausbildung zur Fachpraktikerin bzw. zum Fachpraktiker für Bürokommunikation ist eine duale Berufsausbildung für Menschen mit Behinderung. Sie ist im § 66 Berufsbildungsgesetz (BBiG) und im § 42 Handwerksordnung (HwO) geregelt und löst die früheren Berufsausbildungen zum Büropraktiker (2 Jahre) und, darauf aufbauend, zur Bürokraft (1 Jahr) ab.

Die Fachpraktikerregelungen im Bereich Bürokommunikation wurde vom Bundesinstitut für Berufsbildung gemeinsam mit Verbänden, die die Interessen Behinderter vertreten, erarbeitet. Die Ausbildungsregelungen orientieren sich dabei an den Inhalten des 2- bzw. 3-jährigen Branchenberufs „Kaufmann/Kauffrau für Bürokommunikation). Die Breite dieses Berufsbildes wird im Fachpraktikerberuf aufrechterhalten, lediglich das Anforderungsniveau ist auf die besonderen Belange von Auszubildenden mit Behinderung abgestellt und weist eine etwas geringere Komplexität auf.

Die Ausbildung findet überwiegend bei Bildungsträgern statt, da an die Eignung der Ausbilder besondere sozialpädagogische Voraussetzungen geknüpft sind. Verschiedentlich sind die Auszubildenden aber auch in regulären Ausbildungsbetrieben beschäftigt (siehe unten).

Ziel der Ausbildung ist der Erwerb einer beruflichen Handlungskompetenz für kaufmännisch-administrative Tätigkeiten in modernen Büroorganisationen.

Gegenstand der Berufsausbildung sind nach dem Berufsbild die folgenden Arbeitsschwerpunkte:

  • Assistenz- und Sekretariatsaufgaben
  • Aufgaben in der Personalverwaltung
  • Aufgaben im betrieblichen Rechnungswesen

Zugangsvoraussetzung und Erwerb zusätzlicher Abschlüsse

Die Berufsausbildung zum Fachpraktiker für Bürokommunikation kann auch ohne Schulabschluss begonnen werden. Wird die Ausbildung erfolgreich durchlaufen, erhält der Absolvent einen dem Hauptschulabschluss gleichwertigen Schulabschluss zuerkannt.

Der zusätzliche Abschluss der Realschule ist möglich, wenn der Hauptschulabschluss bereits vorliegt und die Kriterien des Paragrafen 9 der jeweils geltenden „Verordnung über die Berufsschule“ erfüllt werden. (Die Verordnung ist zu finden im „Hessischen Bildungsserver“, Pfad: http://dms.bildung.hessen.de – Schule – Schulformen und -stufen – Berufliche Bildung – Rechtsgrundlagen – Rechtsgrundlagen des beruflichen Schulwesens – Rechtsgrundlagen der beruflichen Schulformen – Berufsschule)

Anmeldung

Die Agentur für Arbeit (Reha-Abteilung) entscheidet, wer sich für die Ausbildung zur Fachpraktikerin/zum Fachpraktiker eignet und gefördert wird. Interessenten wenden sich also bitte zuerst an ihre örtlich zuständige Agentur für Arbeit, die dann alle weiteren Schritte einleitet.

Ausbildung in dualer Form

Der betriebliche Teil der Ausbildung wird in der Regel von einem freien Träger, in unserem Fall vom Kulturbund des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vermittelt, der die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in einer Übungsfirma ausbildet, zusätzlich in verschiedenen Praktika betreut und Betriebsunterricht erteilt.

Die Ausbildung kann aber auch durch einen regulären Ausbildungsbetrieb vermittelt werden, sofern diese Betriebe die besonderen Anforderungen, die an die Ausbilder/-innen zu stellen sind, erfüllen.

Neben der Ausbildung im Betrieb kommen die Auszubildenden zwei Tage in der Woche zu uns an die Berufsschule, wo sie in der Regel 12 Stunden Berufsschulunterricht erhalten. Grundlage für diese Ausbildung an der Berufsschule ist ein handlungsorientiertes Konzept mit den folgenden 14 Lernfeldern:

 

Lernfelder für den Ausbildungsberuf Fachpraktikerin/Fachpraktiker für Bürokommunikation
1 Berufsausbildung in Schule und Beruf
2 Rechtliche Stellung der Arbeitnehmer/-innen
3 Rechtlicher Aufbau und Organisation eines Unternehmens
4 Berechnungen im Bereich von Geschäftsvorgängen und deren Darstellung
5 Grundlagen der Informationsverarbeitung im modernen Bürobetrieb
6 Absatz und Kundenkontakt
7 Beschaffungswesen
8 Betriebliche Abläufe, Entscheidungen und Darstellung in den BereichenFinanzierung, Buchhaltung, Steuer und Versicherungen
9 Bürowirtschaftliche Abläufe und Textverarbeitung im modernen Unternehmen
10 Planung, Durchführung und Auswertung eines Projekts
11 Organisation und Aufgaben an einem multifunktionalen Arbeitsplatz und Informationsverarbeitung
12 Entwicklung im Bürobereich und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten
13 Wirtschaftssysteme, Einflussfaktoren gesamtwirtschaftlicher Prozesse und staatliche Wirtschaftspolitik
14 Wiederholung und Vertiefung

Prüfungen und Berufsabschluss

Die Auszubildenden legen in der Mitte der Ausbildungszeit eine schriftliche Zwischenprüfung sowie am Ende der Ausbildung eine schriftliche Prüfung vor der IHK ab.

Prüfungsbereiche Zwischenprüfung

Schriftlicher Prüfungsbereich                        Arbeitsprozesse im Büro Prüfungszeit Aufgabenart
Bürowirtschaftliche Aufgaben                      bearbeiten 90 Minuten programmiert & offen
Arbeits- und Organisationsmittel wirtschaftlich und ökonomisch          einsetzen
Grundlagen des kaufmännischen Rechnens
Wirtschafts- und Sozialkunde

 

Prüfungsbereiche Abschlussprüfung

Prüfungsbereiche                      Prüfungszeit Aufgabenart
Bürowirtschaftliche Geschäfts- und Leistungsprozesse (30 %) 90 Minuten schriftlich
Informationsverarbeitung (30 %) 120 Minuten PC, 3 Aufgaben
Wirtschafts- und Sozialkunde (10 %) 60 Minuten schriftlich
Einsatzgebiet (30 %) 20 Minuten/15 Minuten Vorbereitung Fallbezogenes             Fachgespräch

Anmeldung bei uns

Im ersten Schritt müssen Sie mit der Agentur für Arbeit oder dem Sie interessierenden Ausbildungsbetrieb klären, ob Sie für die Voraussetzungen für den Beruf der Fachpraktikerin bzw. des Fachpraktikers für Bürokommunikation erfüllen. In der Regel wird die Agentur für Arbeit Sie zu diesem Zweck einer Prüfung (PSU) unterziehen. Sollten Sie einen der Förderplätze erhalten, werden Sie dem Freien Träger bzw. Betrieb als neue Auszubildende bzw. neuer Auszubildender gemeldet, der Sie dann bei uns an der Berufsschule anmelden muss. Diese Anmeldung sollte unbedingt vor Beginn des jeweils neuen Schuljahres erfolgen.

Wichtig

Wenn der Beginn der Berufsschule vor Ihrem Ausbildungsbeginn im Betrieb liegt, klären Sie bitte mit Ihrem Betrieb, dass Sie schon am Berufsschulunterricht teilnehmen, der bei uns grundsätzlich für alle Klasse in der 1. Schulwoche nach den Sommerferien beginnt.